Projekte

Kocher-Brenztal

Der Teil Ostwürttembergs entlang des Kochers und der Brenz bildet eine starke Entwicklungsachse. Dies manifestiert sich insbesondere in der Dichte der Besiedlung, der Wirtschaftskraft sowie der Anzahl der Arbeitsplätze. So bilden die Mittelzentren und Kreisstädte Aalen und Heidenheim mit ca. 68 000 bzw. 48 000 Einwohnern die Schwerpunkte für Administration. Dienstleistungen, Bildung, Forschung und Infrastrukturen. Herbrechtingen und Giengen übernehmen als Grundzentren ebenfalls wichtige überörtliche Versorgungsfunktionen, während Abtsgmünd, Oberkochen, Königsbronn und Sontheim als Kleinzentren die Grundversorgung des überörtlichen und Hüttlingen und Hermaringen des örtlichen Bedarfs decken. Die Siedlungskerne konzentrieren sich im Talraum von Kocher und Brenz, wobei sich die Wohngebiete inzwischen auf die Hänge der Talweitungen, des Albvorlandes und um Heidenheim auch auf die Albhochfläche ausgedehnt haben. Erkennbar ist eine starke Zunahme der Siedlungsfläche für Wohnen und Gewerbe.

Darüber hinaus zeichnet sich das Kocher- und Brenztal durch eine besondere und vielfältige Kulturlandschaft aus: mit einer spezifischen Flussgeschichte, landschaftsprägenden Felsformationen, steilen Talhängen mit Wacholderheiden, weiten Ausblicken und zahlreichen kulturhistorischen Zeugnissen.

In diesem prosperierenden Siedlungs-, Landschafts- und Wirtschaftsraum wird auch zukünftig eine dynamische Weiterentwicklung stattfinden. Flächenentwicklung und Infrastrukturausstattung stoßen im Talraum jedoch heute schon an ihre Kapazitätsgrenzen. Klimawandel, demographischer Wandel und anhaltender Landschaftsverbrauch fordern zudem neue Konzepte für die Siedlungsentwicklung, die Energieversorgung und die Mobilität ein. Zugleich will sich das Kocher-Brenztal als Raum mit hoher Lebensqualität und als touristische Zielregion profilieren.

In diesem Zusammenhang verfolgt das Kocher Brenztal-Projekt das Ziel, das Kocher-Brenztal als attraktiven Landschafts- und Wirtschaftsraum mit hoher Lebens- und Umweltqualität sichern und zukunftsorientiert landkreisübergreifend und interkommunal weiterzuentwickeln.

Das Ziel des Projekts wird im Lauf folgender Phasen erreicht sein:

  • Raumanalyse und Entwicklung der Leitziele;
  • Abstimmungen im beratungskreis und Offenes Regionalforum;
  • AG-Treffen und Leitbilderstellung;
  • Erstellung eines Maßnahmenkatalogs;
  • Auswahl der thematischen Maßnahmen (Priorisierung).

Die Idee des Kocher-Brenztal-Projekts wurde im Rahmen des in 2018-2019 vom Bundesamt für Naturschutz durchgeführten Forschungsvorhabens „Innovative Methoden der Öffentlichen Mitwirkung in der Landschaftsrahmenplanung“ entwickelt, worin die Region Ostwürttemberg als eine der Modelregionen mit einbezogen und vom Regionalverband vertreten gewesen ist. Der Leitgedanke des Vorhabens war es, u.a. im Rahmen eines Leuchtturmprojekts die Landschaftsrahmenplanung und deren Zusammenspiel mit anderen Arten der Raumplanung und -nutzung in einem konkreten Teilraum erlebbar zu gestalten.

Im Lauf der konzeptionellen Aufstellung des Projekts kam die Überlegung hinzu, zukünftige Projektaktivitäten mit der aktuellen Fortschreibung des Regionalplans zu verknüpfen und somit eine konstruktive Diskussion mit Interessens- und Entscheidungsträgern in die Wege zu leiten. Mit der Aufnahme der Themen Wirtschaft, Siedlung, Mobilität, Energie und Daseinsvorsorge, Naherholung und Tourismus hat das Projekt Grundzüge eines integrierten Regionalentwicklungsprojekts angenommen und wird als ein solches umgesetzt.

Der Projektraum des Kocher-Brenztal-Projekts schließt 10 Gemeinden entlang des Kochers im Landkreis Ostalb und der Brenz im Landkreis Heidenheim ein. Grundsätzlich lehnt sich die Abgrenzung des Projektraums auf funktionale wirtschaftliche und ökologische Beziehungen an. Dabei spielen beispielsweise die Dichte der Transportverbindungen, Pendlerströme, Produktion-Logistik-Verflechtungen, Einkauf- und Freizeitaktivitäten, etc. einerseits sowie der räumliche Zusammenhang von verschiedenen Biotopen und natürlichen Gegebenheiten andererseits die ausschlaggebende Rolle. Es ist insofern relevant, als diese – zusammen mit einigen anderen – Faktoren die Stärke des Wirtschafts- und Lebensstandorts im Großraum zwischen Aalen und Heidenheim ausmachen. Soweit beide Flüsse regionale Landschaft entscheidend prägen, leisten auch kulturhistorische Elemente des Kocher- und Brenztals einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Identität des Projektraums. Um mögliche Diskrepanzen im Sinne der politisch-administrativen Repräsentation zu vermeiden, ist der Projektraum um die Gemarkungsgrenzen der beteiligten Gemeinden eingegrenzt.

 

Die räumliche Ausgangslage in dem anvisierten Projektraum wird von folgenden Aspekten charakterisiert.

Erstens konzentrieren sich hier viele innovative Industrie- und Dienstleistungsunternehmen – von namhaften Weltmarktführern wie Carl Zeiss in Oberkochen, Mapal und RUD in Aalen, Voith in Heidenheim, Steiff in Giengen oder Röhm in Sontheim bis hin zu zahlreichen Mittelstand- und Kleinunternehmen.

Zweitens ist das reizvolle Landschaftsbild des Kocher-Brenztals hervorzuheben, das u.a. von markanten Felsformationen wie im Eselsburger Tal, steilen Talhängen mit Wacholderheiden, weiten Ausblicken und zahlreichen kulturhistorischen Zeugnissen geprägt ist.

Drittens zeichnet sich der Teilraum durch eine relativ hohe Siedlungsdichte aus, die u.a. ein hohes Verkehrsaufkommen und permanente Spannung mit der Freiraumentwicklung verursacht. Es ist absehbar, dass sich diese Entwicklungen auch in Zukunft vollziehen werden.

Diese funktionale Verbundenheit über die Grenzen hinaus bedingt im Rahmen der Planungs- und Entwicklungsprozesse eine Notwendigkeit der interkommunalen Denk- und Handlungsweise. Einer der größten sich dadurch ergebenden Vorteile ist die Möglichkeit, eine räumlich und thematisch übergeordnete Entwicklungsrichtung zu definieren. Dabei lassen sich konkrete Ressourcen und Kapazitäten angesichts gemeinsamer Herausforderungen bündeln und ein intensiver gegenseitiger Austausch- und Lernprozess initiieren. Derzeit werden bereits einige interkommunale Projekte im Kocher-Brenztal umgesetzt. Mit seiner integrativen Wirkung hat das Kocher-Brenztal-Projekt Potenzial, sowohl neue Mechanismen interkommunaler Absprache und Steuerung als auch die Konzeption und Umsetzung von thematischen und raumbezogenen Maßnahmen und Aktionen modelhaft zu erproben und zu verstetigen. In diesem Sinn kann auch die Verbindung des Projekts mit der Fortschreibung des Regionalplans zur Etablierung intakter und potenziell übertragbarer Mechanismen und Prozesse beitragen, die zukünftig sowohl weiterhin im Kocher-Brenz-Raum als auch in ganz Ostwürttemberg Anwendung finden könnten. Langfristig betrachtet könnte damit gewissen Disparitäten zwischen ordnenden und entwickelnden Aufgaben der Regionalplanung entgegengewirkt werden. Die vorgesehene Arbeit des Beratungskreises, des Offenen Regionalforums und der thematischen Arbeitsgruppen (AG) sollen auf Vorschläge für konsensfähige Grundsatz- und Zielformulierungen des Regionalplans und konkrete Maßnahmenvorschläge zu deren Umsetzung ausgerichtet sein.

Über das Kocher-Brenztal-Projekt wurde in der Verbandsversammlung am 29.3.2019, in der Klausursitzung am 20.09.2019 sowie in der Verbandsversammlung am 22.11.2019 berichtet. Die Teilnehmende des Planungsausschusses am 5.2.2020 setzten sich mit der ausführlichen Projektdarstellung sowie mit dessen geplanten Verlauf auseinander (DS 05 PA-2020, Protokoll). Dabei wurde u. a. angeregt, das Vorhaben stärker in den Prozess der Regionalplanfortschreibung einzubinden. Dies aufgreifend wurde das Projekt konzeptionell angepasst, indem u.a. das Beteiligungsverfahren neu konzipiert wurde. Mit Beschluss des Planungsausschusses vom 27.5.2020 wurde dem Planungsbüro agl Hartz • Saad • Wendl aus Saarbrücken (http://agl-online.de/) die inhaltliche Begleitarbeit und Moderation aufgetragen.

Folgende Handlungsfelder stehen im Vordergrund des Projekts:

1. Zentralität, Siedlungsentwicklung und Daseinsvorsorge,
2. Wirtschaft, Forschung und Innovation
3. Mobilität
4. Energie und Rohstoffe
5. Naherholung und Tourismus
6. Landschafts- und Freiraumentwicklung; Biotopverbund
7. Hochwasser- und Starkregengefährdung

In diesen Handlungsfeldern werden gemeinsam mit kommunalen und regionalen Akteuren ein Leitbild und Ziele entwickelt – als Handlungs- und Orientierungsrahmen für konkrete Projekte und Maßnahmen. Wichtig ist, an bisherige Aktivitäten und Initiativen im Raum, deren Realisierung einen Beitrag zur Umsetzung von Leitbild und Zielen leistet, anzuknüpfen. Vor diesem Hintergrund soll ein Gesamtentwicklungskonzept der Stabilisierung sowie Entfaltung vorhandener Entwicklungspotenziale des Kocher-Brenztals dienen.

Nachfolgend werden auf Basis vorliegender Pläne, einer Recherche zu aktuellen Projekten und Vorhaben insbesondere auf kommunaler Ebene sowie den Diskussionen mit den Mitgliedern des Beratungskreises Vorschläge für eine konkrete Ausgestaltung der Leitziele und des Leitbildes vorgelegt. Diese sollen im Rahmen des Offenen Regionalforums sowie der nachfolgenden Arbeitsgruppenphase intensiv diskutiert, weiterentwickelt und mit Projekten hinterlegt werden.

Der demographische Wandel prägt die Bevölkerungsentwicklung im Kocher-Brenztal. Diese Entwicklungstendenz erhöht den Bedarf nach innovativen, an vielfältigen Lebenssituationen orientierten Wohnkonzepten. Die Inanspruchnahme bislang unbebauter Flächen für Siedlungserweiterungen setzt sich weiter fort, gleichzeitig wird aufgrund des Klimawandels und seiner Folgen eine klimawandelangepasste Entwicklung des Siedlungsbestands erforderlich.
Künftig liegt der Fokus auch auf die Innenentwicklung und Nachverdichtung nachhaltiger Stadtquartiere, die Stärkung der Innenstädte und die Konversion innerstädtischer Industrie- und Gewerbebrachen. Bei der Weiterentwicklung der Gewerbeflächen soll Flächenrecycling und Optimierung der Flächenbelegung Vorrang vor der Erschließung neuer Gewerbegebiete besitzen. Dieser soll vorrangig an den regional bedeutsamen Gewerbeschwerpunkten und Gewerbestandorten stattfinden. Durchgrünte, nachhaltig versorgte, klimaangepasste und in die Landschaft integrierte Gewerbegebiete setzen neue Maßstäbe. Auch bestehende Industrie- und Gewerbeflächen sollen klimagerecht neustrukturiert werden. Das interkommunale Gewerbegebiet Oberkochen/Königsbronn kann sich als Pilotprojekt hinsichtlich der nachhaltigen Gestaltung profilieren. Ein wichtiger Aspekt wird auch die verdichtete Durchgrünung sein.

Seit mehreren Jahren vollzieht sich außerdem in den Innenstädten eine besorgniserregende Entwicklung, indem u.a. der traditionelle Handel immer weniger wettbewerbsfähig im Verhältnis zu dem onlinebetriebenen wird. Die Kombination aus der Corona-Pandemie und Digitalisierung beschleunigen diesen Prozess in allen Kommunen, und zwar mit dem Ergebnis, dass sich der traditionelle Handel zurückzieht und Leerstandfläche größer wird. Der kumulative Effekt ist dabei viel größer – öffentliche Räume der Innenstädte als Erlebnis- und Begegnungsorte verlieren massiv an Qualität. Es muss in diesem Sinne nach Wegen aus der negativen Entwicklung gesucht und über die zukunftsorientierte Lebensgestaltung in den Städten und Kommunen diskutiert werden.

Der Projektraum gilt als wichtiger Industriestandort nicht nur für Ostwürttemberg, sondern auch für ganz Baden-Württemberg. Eine allzu starke Konzentration auf die Branche „Automotive und Maschinenbau“ birgt jedoch erhebliche Risiken. Um zukünftigen Konjunktureinbrüchen „entspannter“ zu begegnen und sich durch die gegenwärtige Transformation der Wirtschaft nicht unter Druck zu setzen, ist es von großer Bedeutung, Potenziale für andere Wirtschaftsbranchen auszuloten, bestehende Vorhaben und Initiativen in dieser Hinsicht zu unterstützen und weitere Maßnahmen auf den Weg zu bringen.
Die Transformation der Schlüsselbranchen soll mit aktiver Unterstützung und Vernetzung digitaler Potenziale und innovativer Ansätze gelingen. Initiativen, Netzwerke und Projekte wie Smart City Heidenheim – Aalen, das 5G-Modellprojekt, die RegioWinProjekte, der Breitbandausbau und das Digitalisierungszentrum Ostwürttemberg stehen für die Modernisierung der Industrie und den Strukturwandel zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft. Aalen und Heidenheim können als Hochschulstandorte entscheidende Impulse für Forschung, Innovation, Digitalisierung und Firmengründungen setzen. Weitere Gründerzentren in den Unterzentren sollen den Strukturwandel unterstützen und ausgebaut werden.

Im Kocher-Brenztal haben sich in den letzten Jahren zahlreiche industrielle Neuansiedlungen vollzogen. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur für alle Mobilitätsformen hat damit allerdings nicht Schritt gehalten, wodurch deutliche Defizite in Bezug auf Verkehrsanbindung und Infrastrukturkapazitäten sowohl im Personen- wie auch im Güterverkehr erkennbar sind. Unter der Verkehrsbelastung leidet die Qualität der Arbeits-, Wohn- und Erholungsräume.

Der Verkehr in den engen Talräumen von Kocher und Brenz muss über innovative und vernetzte Verkehrssysteme effektiver und nachhaltiger organisiert werden. Dabei sollen die kleinräumigere Verknüpfung von Wohn- und Arbeitsstandorten sowie die Verlagerung auf den ÖPNV und den Radverkehr zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs beitragen. Mit dem Mobilitätspakt Aalen – Heidenheim sollen im Bereich des verkehrlichen HotSpots zwischen den beiden Mittelzentren geeignete Handlungsschwerpunkte und Mobilitätsprojekte entwickelt und umgesetzt werden, die auch für den übrigen Projektraum Vorbilder sein können. In Kooperation mit den großen Arbeitgebern werden betriebliche Projekte für nachhaltige Mobilität gefördert und umgesetzt.

Der weitere Ausbau von Straßenverbindungen erfolgt nur noch zur Entlastung übermäßig verkehrsbelas-teter Ortsmitten insbesondere in der Verbindung mit der Autobahn A7. Die Brenztalbahn soll als Haupt-träger des talseitigen ÖPNV elektrifiziert, zumindest abschnittsweise zweigleisig ausgebaut und über Mo-bilitätsstationen intensiv mit den übrigen Verkehrsträgern vernetzt werden.

Die ÖPNV-Angebote im Umland müssen dem demographischen Wandel zukünftig stärker Rechnung tra-gen. Die Mobilitätsangebote in den Gemeinden sollen die Erreichbarkeit von Infrastrukturen und Dienst-leistungsangeboten der Daseinsvorsorge sicherstellen. Dazu bedarf es neben einem um flexible Mobilitäts-dienste erweiterten ÖPNV-Angebot einer ausreichenden Grundversorgung in der Fläche.

Die Radverkehrskonzepte der Landkreise und Kommunen sind umzusetzen und interkommunal zu vernetzen. Dabei wird vorrangig eine durchgängige, schnelle und sichere Radwegeverbindung entlang der Mobilitätsachse des Kocher-Brenztal zwischen Aalen und Sontheim angestrebt. Darüber hinaus sollen die Ortsteile abseits der Talachse für den Radverkehr komfortabel angebunden werden.

Der Klimawandel und die Energiewende erfordern einen beschleunigten Umbau der Energie- und Wärmeversorgung auf erneuerbare Energiequellen. Es ist Ziel, den Energieverbrauch durch effiziente Energienutzung und energiesparende Bau-, Mobilitäts- und Produktionstechniken zu senken. Die Region nimmt bei der Umsetzung der Energiewende eine Vorreiterrolle ein.

Für die Ansiedlung der regenerativen Energien stehen die Konzentrationsflächen für Windenergie und Freiflächenphotovoltaik zur Verfügung. Die Photovoltaikentwicklung umfasst jedoch die Dachflächen im Siedlungsbereich, auf der Gewerbe- und Industrieflächen, aber auch Freiflächen.

Eine effizientere Energienutzung kann durch die konsequente Nutzung der regionalen Potenziale der Nah- und Abwärmenutzung, Kraft-Wärme-Kopplung und Gebäudesanierung erreicht werden. Auch bei der Neuerschließung und Sanierung von (innerörtlichen) Quartieren und Industrie- und Gewerbeflächen gilt es, die Möglichkeiten nachhaltiger Energieerzeugung und effektiver Energienutzung auszuloten. Weitere Einsparungen entstehen bei der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Beleuchtung, die zugleich die Lichtverschmutzung reduziert.

Der Kalksteinabbau bei Königsbronn und Heidenheim dient der Gewinnung hochreinen Calziumkarbonats, das für unterschiedliche Verwendungen in der Glas- und Chemieindustrie geeignet ist. Der Abbau soll so landschaftsschonend wie möglich vorgenommen werden. Die abgebauten Flächen sind sukzessive zu rekultivieren und neben der Biotopentwicklung soweit möglich für die Gewinnung regenerativer Energien bereit zu stellen.

Die abwechslungsreichen Kulturlandschaften des Kocher- und Brenztals, der Ostalb und des Albvorlands mit ihren tradierten Stadt- und Dorfkernen sind die Grundlage der Lebensqualität und der Naherholung in der Region. Die spannende Geologie und Landschaftsgeschichte im Kocher- und Brenztal, das reiche kulturelle Erbe, bedeutende Museen und vielfältige Landschaftsbilder sind wichtige Säulen des Naherholungs- und Tourismuspotenzials.

Wirtschafts- und Siedlungsentwicklung müssen das besondere Natur- und Kulturerbe des Kocher-Brenztals bewahren und die Attraktivität des Projektraums als Standort für Arbeit, Wohnen und Erholung im Auge behalten. Die Qualität der Freiräume und der Identifikationsorte der Alb- und Tallandschaft sind besonders in den Blick zu nehmen. Dabei gilt es, die herausragenden Dokumente der Karst- und Flusslandschaft mit der Siedlungs- und Industriegeschichte an Kocher und Brenz zu verknüpfen und über durchgängige, attraktive Wegeachsen erlebbar zu machen. Gerade im Talraum sind die Siedlungslagen für aktives Reisen transparenter und attraktiver auszugestalten. Entlang von Kocher und Brenz sind dabei die Potenziale für gewässerbezogene Erholung und Landschaftserleben noch nicht ausgeschöpft.

Die Tourismusbranche im Projektraum ist wettbewerbsfähiger aufzustellen, vorhandene Initiativen und die die bestehenden Zielorte und Angebote sind zu bündeln bzw. zu vernetzen. Ein Zweckverband Kocher-Brenz-Tourismus kann die Stärken und Eigenarten der Brenzlandschaft mit den touristischen Zielorten des oberen Kochertals verknüpfen und gemeinsam vermarkten. Zugleich gilt der Fokus der qualitativen Wei-terentwicklung der Gastronomie und Hotellerie und deren Verschränkung mit regionalen Produkten und Dienstleistungen. Der Erhalt und Ausbau der touristischen Infrastruktur muss die Erfordernisse von Natur- und Landschaftsschutz beachten und – z.B. über Besucherlenkung – Konfliktbereiche entschärfen.

Die Freiräume stehen in der wirtschaftlich prosperierenden Region des Kocher-Brenztals unter erheblichem Siedlungsdruck. Der Ausbau der Siedlungen, der Gewerbegebiete sowie der Verkehrsinfrastruktur tragen zur Zerschneidung und Reduzierung der Freiräume bei, die jedoch für die Lebensqualität der Region eine entscheidende Rolle spielen.

In den Talräumen und im Albvorland muss daher der Fokus auf die Lenkung der Siedlungsentwicklung und den Erhalt zusammenhängender Freiräume im Siedlungsumfeld gerichtet werden. Die Albhochflächen von Albuch und Härtsfeld sollen als großflächige Freiräume vor weiterer Zerschneidung bewahrt und nachhaltig genutzt werden. Land- und Waldwirtschaft als Rückgrat der Landschaftsnutzung sollen die Qualitäten der Freiräume erhalten. Naturnahe, klimaresiliente Wälder und vielfältige Landwirtschaftsflächen tragen zur Herstellung regionaler Produkte bei und sichern die Eigenart der Kulturlandschaft. Die Ansiedlung erneu-erbarer Energien in den Vorranggebieten für regionalbedeutsame Windkraftanlagen sowie für Freiflächen-Photovoltaik sind landschaftsgerecht zu integrieren.

Der Siedlungsausbau und intensive Landnutzungen haben zu einem rasanten Rückgang von Arten und Lebensräumen in den letzten Jahren beigetragen. Der schwindenden Biodiversität soll mit dem Konzept des Biotopverbundes entgegengewirkt werden. Vor diesem Hintergrund will das Land Baden-Württemberg bis 2030 insgesamt 15 Prozent der Landesfläche als funktionale Biotopverbundfläche zu entwickeln.

Mit seinen vielfältigen, wertvollen Lebensräumen und einer Vielzahl an Schutzgebieten hat die Region Kocher-Brenztal eine besondere Verantwortung, zur Stärkung des Biotopverbunds beizutragen. Dabei sind insbesondere die Achse der Gewässer und Auen entlang von Kocher und Brenz als auch die trockenen Kalkhänge als Verbundachsen von herausragender Bedeutung.

In den Auen des Kocher-Brenztals erstrecken sich größere Retentionsflächen, v.a. nördlich von Sontheim, zwischen Giengen und Herbrechtingen und nördlich von Aufhausen. Die naturräumlichen Rahmenbedingungen (Karstlandschaft) und technischen Infrastrukturen des Raums haben dazu beigetragen, dass die Kommunen am Kocher und an der Brenz in den letzten Jahren zum großen Teil von Hochwasserschäden verschont geblieben sind. Aufgrund der voraussichtlich zunehmenden Starkregenereignisse im Zuge des Klimawandels muss zukünftig der Hochwasservorsorge jedoch verstärkt Rechnung getragen werden.

Im Rahmen eines koordinierten und interkommunalen Vorgehens (z.B. über interkommunale Wasserverbände) ist der Hochwasser- und Starkregengefährdung durch konsequenten Schutz der Überschwem-mungsgebiete im Rahmen der Siedlungs- und Regionalentwicklung und die Aufstellung von Hochwasserschutzkonzepten zu begegnen. Renaturierungsmaßnahmen an den Fließgewässern sollen einen weiteren Beitrag leisten, um die Überflutungsgefahr zu reduzieren und gleichzeitig Naturschutz- und Naherholungs-qualitäten zu stärken.

„Leitbild“ ist ein in planungs- bzw. entwicklungspolitischen Diskursen weitverbreiteter Begriff. Dessen Bedeutung ist jedoch von Fall zu Fall spezifisch.

Gelegentlich wird unter einem Leitbild ein knappes Motto, ein griffiger Spruch verstanden. Auch wenn dies grundsätzlich nicht falsch ist, bleibt die Erwartung an eine bildhafte Zielsetzung bzw. Zielrichtung raumbezogener und -wirksamer Prozesse unerfüllt. Außerdem kann die gewünschte Vereinfachung komplexer interdisziplinärer Zusammenhänge mithilfe eines Motto-Leitbilds so weit gehen, dass dieses schließlich die Inhalte nicht mehr zu vermitteln vermag.

Eine bildhafte Abbildung kann dagegen im Sinne einer Vereinfachung zwecks Verständlichkeit sowie der Vermittlung einer gesamträumlichen Perspektive vorteilhafter sein. Dafür finden sich in der Praxis zweierlei Beispiele. In einigen Fällen werden textliche Formulierungen grafisch oder schematisch dargestellt. In anderen Fällen dient eine Karte als Abbildungsgrundlage, was vor allem die Herstellung räumlicher Bezüge von Planungs- bzw. Entwicklungsprozessen und -ansätzen fördert.

Im Ergebnis des Kocher-Brenztal-Projekts soll ein solches Leitbild des Teilraums entstehen, das interdisziplinäre Planungs- und Entwicklungsansätze im Kocher-Brenztal raumbezogen, thematisch integriert und graphisch verständlich und ansprechbar darstellt.

PRESSEMITTEILUNG

Die Kraft des Kocher-Brenztals und der Gemeinschaft

Siedlungsentwicklung und Daseinsvorsorge, Wirtschaft, Forschung und Innovation, Mobilität, Energie und Rohstoffe, Naherholung und Tourismus, Landschafts- und Freiraumentwicklung, Biotopverbund sowie Hochwasser- und Starkregengefährdung – mit diesen Themen beschäftigten sich die Gäste des Offenen Regionalforums.

AALEN Am 18. Mai 2022 fand das Offene Regionalforum des Kocher-Brenztal-Projekts im Kulturbahnhof (KUBAA) in Aalen statt. Die Teilnehmer des Forums haben nach Visionen, Themen und Ideen gesucht, die den Raum entlang des Kochers und der Brenz auch in Zukunft als attraktiven Ort für das Leben und Wirtschaften sichern können. Die Teilnehmer des Forums kamen aus den Landkreisen Heidenheim und Ostalbkreis, den am Projekt beteiligten Städten, Gemeinden sowie von regionalen Verbänden und Vereinen. Einen wichtigen Beitrag leisteten die sog. „Zufallsbürger“, die repräsentativ und professionell in den Städten und Gemeinden ausgewählt wurden und sich an Dialogtischen austauschten. An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen die Landräte der Landkreise Ostalbkreis und Heidenheim, Dr. Joachim Bläse (Ostalbkreis), Peter Polta (Heidenheim), Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle, der Abtsgmünder Bürgermeister Armin Kiemel sowie die Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung, Andrea Nußbaum, aus Heidenheim teil.
Das Regionalentwicklungsprojekt im Kocher-Brenztal wurde vom Regionalverband Ostwürttemberg zu Beginn der Regionalplanfortschreibung in 2019 initiiert, bringt beide Landkreise sowie Gemeinden und Städte Aalen, Abtsgmünd, Giengen an der Brenz, Heidenheim, Herbrechtingen, Hermaringen, Hüttlingen, Königsbronn, Oberkochen und Sontheim an der Brenz zusammen und setzt sich zum Ziel, raum-planerische Ansätze mit denen der Regionalentwicklung in Einklang zu bringen und dadurch zur Sicherung des attraktiven Lebens- und Wirtschaftsstandorts des Kocher-Brenztals beizutragen.

Ein Gewinn für alle Beteiligten

Thomas Eble, Verbandsdirektor des Regionalverbandes Ostwürttemberg, eröffnete das Forum und schilderte den Kontext und die Aufgabenstellung des Projekts. „Eine nachhaltige Regionalentwicklung, die die Interessen des Ökonomischen, des Sozialen und der Umwelt ausgleicht und in Einklang bringt, ist immerwährende Aufgabe und ist nur landkreisübergreifend und interkommunal zu bewältigen“, betonte Eble. Diese Aufgabe sei in einer einzigartigen Raumschaft zu bewältigen, in der die Geschichte der Menschheit von den Höhlen und Eiszeitkunst über das römische Erbe und die Geschichte der In-dustrialisierung bis hin zu wirtschaftlichen Global Playern im gesamten Raum heute wahrnehmbar, erlebbar und identitätsstiftend sei. „Einen wichtigen Aspekt des Offenen Regionalforums stellt die Bür-gerbeteiligung dar“, so Eble weiter, „die infolge einer zufälligen Auswahl vor Ort zustande gekommen ist und erlaubt, unmittelbare raumbezogene Impulse für die regionale Entwicklung zu gewinnen“.
Das Programm des Offenen Regionalforums bot den Teilnehmenden unterschiedliche Formate, um sich in die räumliche Perspektive sowie die auf der Tagesordnung stehende Themen zu vertiefen. So wurden zunächst die räumliche Ausgangslage und der bisherige Verlauf des Projekts seitens des Projektteams, das aus Mitarbeitern des Regionalverbands sowie des Regionalplanungsbüros agl (Saarbrücken) besteht, vorgestellt. Danach wurden die Themen, die Vorschläge für interkommunale Ziele und Maßnahmen und das Konzept des Leitbildes präsentiert. All das wurde im weiteren Verlauf des Abends an den gemischt zusammengesetzten Dialogtischen unter dem Motto „Kommen Sie ins Gespräch über die Zukunft des Kocher-Brenztals!“ diskutiert. Die Ergebnisse einzelner Diskussionen wurden daraufhin im Plenum vorgetragen und stellen nun die Grundlage für die Arbeit an einem Maßnahmenkatalog dar. Im Podiumsgespräch in der zweiten Hälfte des Forums wurde die Frage nach den konkreten Inhalten der zukünftigen landkreisübergreifenden und interkommunalen Zusammenarbeit diskutiert, wie die Kommunen vom Kocher-Brenztal-Projekt profitieren können und welche konkreten Beiträge unter anderem sie leisten können.
Hr. Landrat Peter Polta, LK Heidenheim: „Das Offene Regionalforum hat den Rahmen geboten, gemeinsam das Verbindende herauszustellen. Jetzt sind auch Best-Practice-Beispiele gefragt und wir sollten das Machbare angehen“
Hr. Landrat Dr. Joachim Bläse, LK Ostalbkreis: „In Anknüpfung an das Offene Regionalforum gilt es nun, Entwicklungspotenziale zu nutzen und Förderkulisse zu erschließen“

Eine nachhaltige interkommunale Projektarbeit

Abschließend zeigt sich der Verbandsdirektor Thomas Eble erfreut, dass das Forum breite Resonanz gefunden und eine sehr lebendige und ergebnisreiche Diskussion hervorgebracht hat. „Es ist ein Erfolg des Kocher-Brenztal-Projekts, der zugleich die Summe aller Aktivitäten ist, die die Projektbeteiligten in der Region bisher geleistet haben, und die Stärke der Regionalentwicklung widerspiegelt“, bilanzierte Verbandsdirektor Eble am Ende des Abends.
In den kommenden Wochen wird der Regionalverband zusammen mit dem Büro agl die Ergebnisse des Forums analysieren und Arbeitsgruppen bilden, die Vorschläge für konkrete interkommunale Maß-nahmen diskutieren werden. Auch dabei wird die Bürgerbeteiligung fortgesetzt. Am Ende des Jahres wird der Regionalverband der Öffentlichkeit die Ergebnisse des Kocher-Brenztal-Projekts vorstellen.

 

Fotoimpressionen

Der Saal ist gefüllt: Offenes Regionalforum des Kocher-Brenztal-Projektes
© Regionalverband Ostwürttemberg

 

Podiumsdiskussion zum Regionalentwicklungsprojekt, (v.l.n.r) Landrat des Ostalbkreises Dr. Joachim Bläse, Landrat des Landkreises Heidenheim
Peter Polta, Fachbereichsleiterin für Stadtentwicklung Andrea Nußbaum aus Heidenheim, Aalens Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle, Bürgermeister Armin Kiemel aus Abtsgmünd, Moderation: Andrea Hartz (Regionalplanungsbüro agl)
© Regionalverband Ostwürttemberg

 

Werkstattgespräch am Dialogtisch zur Zukunft der Region des Kocher-Brenztals, © Regionalverband Ostwürttemberg

 

Die Kraft des Kocher-Brenztals und der Gemeinschaft: Die Teilnehmenden des Offenen Regionalforums des Kocher-Brenztal-Projektes, © Regionalverband Ostwürttemberg

 

Bei jeglichen Fragen zum Projekt steht im Regionalverband Ostwürttemberg Herr Ihar Buika (Telefon 07171/92764-14, e-Mail: buika@ostwuerttemberg.org) jederzeit zur Verfügung.