Wieder Vollsperrung Crailsheim–Nürnberg: Der Bahn fehlen die Reparaturmaschinen – IG Schienenkorridor fordert Konsequenzen
Schwäbisch Gmünd, 31. August 2026 – Der Streckenabschnitt zwischen Crailsheim und Nürnberg ist erneut vollständig gesperrt, ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Nach Angaben der Deutschen Bahn liegt das nicht nur an akuten Oberbauschäden: Auch die bereits im August aufgetretenen Langsamfahrstellen auf der IC-Linie 61 bestehen weiter, da die dafür benötigten Spezialbaumaschinen infolge bundesweiter Hitzeschäden im DB-Netz derzeit ausgebucht sind.
Für viele Fahrgäste bedeutet das: längere Reisezeiten, zusätzliche Umstiege und erneute Unsicherheit darüber, ob Anschlüsse zur Arbeit, zur Ausbildung oder zu wichtigen Terminen erreicht werden.
Für die Interessengemeinschaft Schienenkorridor Stuttgart–Nürnberg ist diese Zuspitzung ein weiterer Beleg für den dringenden Handlungsbedarf bei Erhalt und Ausbau der Infrastruktur. Die Sperrung trifft die Fahrgäste nach einem Sommer, in dem die Murr-, Rems- und Obere Jagstbahn wiederholt durch hitzebedingte Langsamfahrstellen, Schäden, Zugausfälle und Verspätungen belastet waren. Die Folgen tragen Pendler, Geschäftsreisende, Touristen und Urlauber, Unternehmen sowie die Kommunen entlang des gesamten Korridors.
„Die erneute Vollsperrung ist für die Menschen im Korridor schlicht nicht mehr vermittelbar“, erklärt Landrat Gerhard Bauer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Schienenkorridor Stuttgart–Nürnberg. „Dass jetzt sogar die notwendigen Spezialbaumaschinen fehlen, zeigt, wie verletzlich unser Korridor in solchen Störungslagen ist. Auf einer zentralen Achse zwischen Baden-Württemberg und Bayern dürfen Reparaturen nicht über Wochen an fehlenden Kapazitäten scheitern. Wer dauerhaft für die Schiene werben und Fahrgäste gewinnen will, muss ein verlässliches Angebot gewährleisten – dafür braucht der Korridor endlich belastbare Infrastruktur, betriebliche Reserven und einen verbindlichen Ausbaupfad.“
„Gerade auf der Remsbahn und an den zentralen Umsteigeknoten im Korridor spüren die Menschen die Verwundbarkeit dieses Netzes tagtäglich“, betont Landrat Dr. Joachim Bläse, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft. „Wenn Fernverkehrshalte kurzfristig gestrichen werden und Fahrgäste pauschal auf den ohnehin hoch ausgelasteten Regionalverkehr verwiesen werden, läuft das System ins Leere. Wir fordern von der Bahn ein krisenfestes Gesamtkonzept für beide Achsen: Die Menschen und Unternehmen in unserem Wirtschaftsraum brauchen Planungssicherheit und eine Schieneninfrastruktur, die auch bei außergewöhnlichen Wetterlagen und Störungen verlässlich funktioniert.“
Für Herbst 2026 und insbesondere für 2027 sind auf beiden Achsen bereits weitere, teils mehrwöchige Einschränkungen absehbar. Umso wichtiger sind verlässliche Baustellenkonzepte, ausreichende Ersatzverkehre und eine transparente Kommunikation gegenüber den Fahrgästen. Ohne rasches Handeln droht ein dauerhafter Fahrgastverlust, wenn Bahnkunden über Monate hinweg auf Ersatzbusse und Umwege verwiesen werden.
Die Geschäftsstelle der Interessengemeinschaft hatte sich dazu bereits mit einem Schreiben an die DB-Konzernbevollmächtigten für Baden-Württemberg gewandt: Gefordert werden eine bessere Klimaresilienz der Strecken, verlässliche Baustellenkonzepte sowie die beschleunigte Umsetzung der im Korridor-Gutachten definierten Maßnahmen, inkl. Doppelspurinseln (Planfall 7).
Von extremen Wetterereignissen wie dem Erdrutsch bei Schwäbisch Gmünd 2024 über sommerliche Hitzeschäden bis zu Störfällen wie den jüngst beschädigten Kabeln bei Backnang: Die Häufung der Ereignisse belegt aus Sicht der Interessengemeinschaft, wie dringend der Schienenkorridor eine krisenfeste Redundanz über beide Achsen, über die Murrbahn sowie über die Rems- und Obere Jagstbahn benötigt.
„Die Menschen und die Wirtschaft entlang des Korridors brauchen keine weiteren Vertröstungen, sondern endlich eine verlässliche Infrastruktur und einen verbindlichen Zeitplan“, betonen Landrat Bauer und Landrat Dr. Bläse gemeinsam. „Die Interessengemeinschaft steht geschlossen bereit, diesen Weg gemeinsam mit Bahn, Land und Bund zu gehen. Entscheidend ist jetzt, dass aus den wiederkehrenden Störungen konkrete Verbesserungen für die Menschen und Unternehmen im Korridor folgen.“
Partner der Interessengemeinschaft
Städte: Stuttgart, Schorndorf, Schwäbisch Gmünd, Aalen, Ellwangen, Backnang, Schwäbisch Hall, Crailsheim, Ansbach, Nürnberg
Landkreise: Rems-Murr-Kreis, Ostalbkreis, Kreis Schwäbisch Hall, Kreis Ansbach
Regionen: Verband Region Stuttgart, Regionalverband Ostwürttemberg, Regionalverband Heilbronn-Franken, Metropolregion Nürnberg
IHKs: IHK Stuttgart, IHK Ostwürttemberg, IHK Heilbronn-Franken, IHK Nürnberg für Mittelfranken
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