1. Grundsätze und Ziele für die räumliche Ordnung und Entwicklung der Region Ostwürttemberg

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1.1 (G)

Die Region Ostwürttemberg ist als Wirtschafts- und Lebensraum strukturell und räumlich so zu entwickeln, dass alle Teilräume der Region die Entwicklungschancen, die sich aus der Verbesserung der Verkehrserschließung, der Energieversorgung sowie der sozialen und kulturellen Infrastruktur ergeben, nutzen und so am allgemeinen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fortschritt der Region und des Landes teilnehmen können. Dabei sollen sich alle Teilräume der Region entsprechend ihrer besonderen Eignung und ihrer bereits vorhandenen individuellen Ausstattung wirtschaftlich und kulturell entwickeln und so in gegenseitiger Ergänzung und durch Leistungsaustausch der gesamten Regionsbevölkerung gute und vielfältige Lebens- und Entwicklungsbedingungen bieten.

1.2 (N)

Nach dem Landesentwicklungsplan 1983, Kapitel 3.3, ist die Region Ostwürttemberg in ihrer Entwicklung so zu fördern, dass

  • durch Vermehrung und Verbesserung der nichtlandwirtschaftlichen Erwerbsgrundlagen die Bevölkerung, insbesondere der natürliche Bevölkerungszuwachs, in der Region gehalten wird und Zuwanderungen aufgenommen werden können;
  • der Leistungsaustausch innerhalb der Region und mit anderen für ihre Entwicklung bedeutsamen Räumen im Land, insbesondere mit den Regionen Stuttgart, Donau-Iller und Franken sowie mit den benachbarten bayerischen Wirtschaftsräumen und Regionen, verstärkt wird;
  • sie am allgemeinen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt im Lande teilnimmt;
  • der Mangel an Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich gemildert wird;
  • Schwäbische Alb, Ellwanger Berge und Frickenhofer Höhe schwerpunktmäßig als Erholungsräume auszubauen sind. Im Albvorland sind vor allem Einrichtungen für die Naherholung zu fördern.

Diese allgemeinen landesplanerischen Entwicklungsziele verdeutlichen schon, wo die grundsätzlichen Probleme und Entwicklungsaufgaben der Region liegen. Ostwürttemberg ist einerseits eine landschaftlich besonders reizvolle Region mit großen ländlich geprägten Teilräumen, andererseits aber eine Industrieregion mit guten Entwicklungschancen, aber einem Defizit im Dienstleistungsbereich. Wesentliche Voraussetzung für eine kontinuierliche wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung ist die weitere Verbesserung des Leistungsaustausches der Region mit den angrenzenden Regionen durch Steigerung der Leistungsfähigkeit der Verkehrswege. Die angestrebte weitere wirtschaftliche Entwicklung und die Zunahme der Einwohnerzahl der Region darf allerdings nicht dazu führen, dass die insgesamt noch befriedigenden Umweltverhältnisse der Region beeinträchtigt werden.

1.3 (G)

Alle für die strukturelle und räumliche Weiterentwicklung der Region erforderlichen Maßnahmen müssen so durchgeführt werden, dass

  • die natürlichen Lebensgrundlagen, die Lebensräume für Menschen, Pflanzen und Tiere, die Erholungseignung und die gegenwärtig zufriedenstellenden Umweltbedingungen der Region erhalten bzw. verbessert werden,
  • große ökologisch noch weitgehend intakte, noch nicht verlärmte Freiräume in den ländlich strukturierten Gebieten und in den Erholungsräumen der Region erhalten bleiben,
  • die Vielfalt und der Reiz der ostwürttembergischen Kulturlandschaft, die sie prägenden Kulturdenkmale (Bau- und Bodendenkmale) und historischen Ortskerne sowie die besonderen landschaftsökologischen Eigenarten als bedeutendes natürliches Potential für die Regionsbevölkerung, aber auch als zunehmend wichtiger Standortfaktor für die weitere wirtschaftliche Entwicklung, bewahrt werden und
  • der im Bereich der Albhochflächen - Albuch - Härtsfeld - Gerstetter Alb - Riesalb - Donaurandniederung - überregional bedeutsame Grundwasserschutz vor schädlichen Einwirkungen bewahrt bleibt.

1.4 (G)

Alle Teile der Region sollen die verbesserten regionalen Standortvoraussetzungen dazu nutzen, zusätzliche Arbeitsplätze im industriell-gewerblichen, insbesondere aber im Dienstleistungsbereich zu schaffen, um so möglichst allen Bürgern der Region, insbesondere auch den besonders gut ausgebildeten Arbeitskräften und Jugendlichen, eine ausreichende Anzahl von Arbeitsplätzen und attraktiven beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Region zu bieten. Hierzu müssen in der Region ausreichend große Siedlungsflächen für Industrie, Gewerbe und Dienstleistungs- einrichtungen (s. Plansatz 2.5.3 (Z) und Plansatz 2.5.4 (Z)) bereitgestellt werden.

1.5 (G)

Verdichtungen von Wohn- und Arbeitsstätten sind schwerpunktmäßig im Zuge der Entwicklungsachsen (Schorndorf - Schwäbisch Gmünd - Aalen - Nördlingen bzw. Crailsheim - Ellwangen - Aalen - Heidenheim - Ulm) und in den Zentralen Orten sowie an verkehrlich besonders gut erschlossenen Standorten vorzunehmen. Im Zuge der Entwicklungsachsen sind die Siedlungsgebiete durch funktionsfähige, ökologisch wirksame Freiräume zu gliedern. Eine ungegliederte Bandstruktur der Besiedlung ist zu vermeiden.

1.6 (G)

Die Städte und Gemeinden in den Achsenzwischenräumen, abseits der vorhandenen und geplanten Siedlungsverdichtungen, sollen das für die Befriedigung des Eigenbedarfs der ortsansässigen Bevölkerung erforderliche Wohn- und gewerbliche Bauland ausweisen. Dabei sollen innerhalb des Gemeindegebietes Siedlungsschwerpunkte möglichst nahe an den Versorgungskernen gebildet werden. Einer Zersiedlung der Landschaft ist entgegenzuwirken.

1.7 (G)

Durch weiteren Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und weitere Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs auf Schiene und Straße ist der Waren- und Leistungsaustausch innerhalb der Region und mit den benachbarten Wirtschaftsräumen des Landes, den Regionen Stuttgart, Donau-Iller und Franken sowie mit den benachbarten bayerischen Wirtschaftsräumen und Regionen so zu verbessern, dass alle Bürger der Region Zugang zu den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Angeboten der Region und der benachbarten Räume erhalten.

1.8 (G)

Die durch die verbesserte strukturelle Situation der Region stark anwachsenden Ansprüche an den Raum sind sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Die Bereitstellung von Flächen für Wohnen, Gewerbe und Dienstleistungen sowie die weitere Verbesserung der Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur sind auf das für die angestrebte Entwicklung der Region erforderliche Maß zu begrenzen. Durch städtebauliche Neuordnungs-, Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen der alten Ortslagen und durch die Modernisierung von Wohnungen in erhaltenswerter Bausubstanz ist die Neuausweisung von Wohn- und gewerblichem Bauland einzuschränken.

1.9 (G)

(* von der Verbindlichkeit ausgenommen)

Zum Schutz der ostwürttembergischen Landschaft und der hier lebenden und arbeitenden Bevölkerung dürfen Ver- und Entsorgungsprobleme der großen verdichteten Wirtschaftsräume des Landes nicht an Standorten oder auf Flächen der Region Ostwürttemberg gelöst werden.*

1.10 (G)

Die Erhaltung und Förderung der Landwirtschaft in der Region ist zur Sicherung einer ortsnahen Lebensmittel und Rohstoffproduktion sowie zur Bewahrung und Entwicklung der ostwürttembergischen Kulturlandschaft von besonderer Bedeutung. Insbesondere sind die erforderlichen strukturellen Voraussetzungen weiter zu verbessern. Hierzu müssen die Maßnahmen der Flurneuordnung mindestens im bisherigen Umfang fortgeführt werden.

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